Lernen im Stadion?

Interview mit Jana Spengler, Leiterin des Fanprojekts Darmstadt und vom Projekt Lernort Stadion

Im Fußballstadion wird normalerweise gejubelt, gesungen und angefeuert. Auf den Rängen wird mitgefiebert und gehofft, dass ein Treffer erzielt wird, möglichst ins gegnerische Tor. Aber das Fußballstadion kann auch ein Ort sein, an dem gelernt wird. Das Böllenfalltor ist seit September 2021 ein solcher Ort. Jana Spengler, Leiterin des Fanprojekts Darmstadt und vom neuen Projekt Lernort Stadion, erzählte uns davon.

„Das Projekt Lernort Stadion gibt es schon seit 10 Jahren, bei uns in Darmstadt besteht es seit September diesen Jahres. In ganz Deutschland gibt es insgesamt 23 dieser Projekte unter dem Dach des Vereins Lernort e.V.“

In Darmstadt heißt das Projekt „Bölle macht Bildung“. Finanziert wird das Vorhaben zum Teil von der Stiftung der deutschen Fußballliga. Jana Spengler führt aus: „Es ist ein politisches Bildungsangebot für Schulklassen. In erster Linie richtet es sich an Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 17 Jahren, die sozial benachteiligt sind.“

Eine Schulklasse kann daran teilnehmen und wo anders als in der Schule im Klassenzimmer lernen: „Das besondere dabei ist der Ortswechsel. Die Strahlkraft des Fußballs und des Stadions wird dafür genutzt, den Schülerinnen und Schülern bestimmte Dinge zu vermitteln.“

Das Projekt steckt in Darmstadt noch in den Kinderschuhen, was an der Pandemie liegt. Aber es werden bereits zwei Projekte angeboten, eins zum Thema Diskriminierung und Vielfalt im Fußball, das andere zum Thema Gewaltprävention und Zivilcourage. „Das Thema Diskriminierung ist am Gefragtesten. Dazu hatten wir schon drei Workshops, die super angekommen sind.“

Jana Spengler ist sich bewusst, dass die Workshops je nach Klasse angepasst werden müssen, damit die Schülerinnen und Schüler die Themen auch gut verstehen können. „Wir sprechen mit den Lehrkräften und versuchen uns, da ein bißchen abholen zu lassen. Dabei ist wichtig, wo steht die Klasse und, was braucht sie gerade”, führt sie aus.

Das Thema Behinderung spielt bei der Planung und Durchführung auch eine Rolle. Dabei machte das Projekt erste Erfahrungen mit Schülern, etwa aus dem Autismusspektrum.

„Was körperliche Einschränkungen angeht, das haben wir gleich bedacht, ist der Zugang zum Lernort barrierefrei. Wir versuchen uns auf solche Fragen einzustellen, sind aber auch auf die Informationen der Lehrkräfte angewiesen“, erklärt die Workshop-Leiterin.

Die Vorbereitung auf jede einzelne Klasse ist gut machbar, denn zwischen Anmeldung und dem eigentlichen Besuch können drei oder vier Wochen vergehen.

„Im Moment werden wir ein bißchen überrannt, da ist dann sowieso ein Zeitpuffer. Zwei Wochen vor dem Termin sprechen wir mit der Lehrkraft, da können dann Fragen vorher geklärt werden“, erfahren wir.

Die Termine mit den Schulklassen werden immer zu zweit durchgeführt. So können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut ergänzen. „Es ist immer eine Herausforderung, aber wir sind flexibel. Das ist auch ein bißchen unser Motto“, betont Spengler zum Abschluss.

Fußball und Schule zu kombinieren, das erscheint interessant. Bleibt zu hoffen, dass bald noch viel mehr Klassen dieses Angebot nutzen können.

Vergangene Interviews können Sie gerne hier nachlesen. Über die Kacheln gelangen Sie zu unseren bisherigen Interviews. Wenn Sie oder Ihr Verein auch interviewt werden möchten, so sprechen Sie uns gerne an

Interview mit der deutschen Meisterin im Rollstuhltennis  Ela Porges und ihrem Vater Nico Porges.

Interview mit Ursula Kmoch, Vorsitzende der BSG Weiterstadt

Ein Gespräch mit Ralf-Rainer Klatt zur Modellregion ViiAS

Ein Gespräch mit Martin Schenk, der die Rollstuhlbasketball-Zeitschrift „rollt.“ herausgibt.

Ein Gespräch mit Christa Kreis aus Groß-Umstadt

Interview mit Ernes Kalac, Gründer von Lotus e.V.